Copilot vs. ein echter KI-Assistent: Was Microsoft dir verschweigt
Microsoft behauptet, 70 % der Fortune-500-Unternehmen nutzen Copilot. Was sie nicht erwähnen: Nur 3,3 % aller Microsoft-365-Nutzer zahlen tatsächlich dafür. Das sind 15 Millionen bezahlte Lizenzen bei über 450 Millionen M365-Arbeitsplätzen. Die anderen 96,7 % haben den kostenlosen Chat ausprobiert und sind weitergezogen.
Laut einer Gartner-Umfrage von 2025 sind 40 % der IT-Verantwortlichen immer noch in der “Pilotphase” mit Copilot. Nur 5 % sind bei einem echten Rollout angekommen. Knapp die Hälfte bewertete das Tool als “hat Potenzial, zeigt Ansätze” — im Unternehmens-Deutsch heißt das: “Noch nicht die 30 € pro User wert.”
Diese Zahlen erzählen eine Geschichte, die in keinem Microsoft-Prospekt vorkommt.
Was Copilot gut macht
Fairerweise: Copilot hat echte Stärken, die kein Wettbewerber so leicht nachmachen kann.
Es lebt direkt in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams. Keine separate App, kein Kontextwechsel. Meeting in Teams zusammenfassen, Antwort in Outlook formulieren, Formel in Excel generieren — Copilot greift dabei auf deine Microsoft-Graph-Daten zu: Dateien, E-Mails, Kalender.
Für einfache Aufgaben — Meeting-Zusammenfassungen, E-Mail-Entwürfe, Standarddokumente — ist Copilot solide. Nicht bahnbrechend, aber solide. Mit über 430 Millionen kommerziellen M365-Arbeitsplätzen weltweit hat es einen Distributionsvorteil, den kein Startup aufholen kann.
Wenn dein Workflow “Prompt eingeben, Output nehmen, weiter” lautet, funktioniert Copilot.
Wo Copilot versagt
1. Das Amnesie-Problem
Copilot erinnert sich nicht an dich. Jede Sitzung beginnt bei null.
Microsofts eigene Dokumentation bestätigt es: Jeder neue Chat startet ohne persönliche Erinnerung. Kontinuität kommt aus Organisationsdaten in Microsoft 365, nicht aus gelerntem Nutzerwissen. In der Praxis heißt das: Du erklärst jedes Mal neu deine Rolle, deine Präferenzen und deinen Kontext.
Die Architektur ist Retrieval-first, nicht Memory-first. Copilot durchsucht deinen Microsoft Graph nach relevanten Dokumenten und E-Mails und nutzt das als Kontext. Aber es baut kein Modell davon auf, wer du bist, was dir wichtig ist oder wie du arbeitest. Es weiß nicht, dass du der Geschäftsführer bist, der Zahlen immer in einem bestimmten Format will, oder dass “das München-Projekt” sich auf einen konkreten Kundenauftrag vom letzten Quartal bezieht.
Microsoft hat zwar ein “Copilot Memory”-Feature eingeführt. Nutzer berichten, dass es inkonsistent funktioniert, häufig kaputt ist und manchmal einfach aufhört zu arbeiten, obwohl es aktiviert ist. Die Microsoft-Q&A-Foren sind voll von zahlenden Abonnenten, die fragen, warum ihre Memory-Funktion nicht über Sitzungen hinweg funktioniert. Ein Copilot-Pro-Nutzer schrieb: “Das Gesamtverhalten ist so, als wäre Memory deaktiviert, obwohl es in der Oberfläche als aktiv angezeigt wird.”
Ein Tool, das zwischen Gesprächen alles vergisst, ist kein Assistent. Es ist ein Chatbot mit gutem Marketing. (Das ist dasselbe Knowledge-Drain-Problem, das Unternehmen Millionen kostet — nur dass hier die KI es mit sich selbst macht.)
2. Einheitsbrei für alle
Copilot ist ein einziges generisches Modell, das über alle M365-Apps hinweg angewendet wird. Dieselbe KI, die deine E-Mails schreibt, erstellt auch deine Finanzberichte und fasst deine Vertriebspipeline zusammen.
Keine Spezialisierung. Keine Fachexpertise in irgendeinem Bereich. Es ist wie ein Praktikant, der alles auf deinem SharePoint gelesen hat, aber an keinem deiner Projekte tatsächlich mitgearbeitet hat.
Microsoft bietet mit Copilot Studio eine Plattform zum Bauen eigener Agenten an. In der Theorie kannst du spezialisierte Assistenten für verschiedene Abteilungen erstellen. In der Praxis ist die Erfahrung holprig. Ein schonungslos ehrliches Review eines MVP-Entwicklers beschrieb es als “Plattform der Widersprüche”. Verknüpfte Agenten können keine eigenen Tool-Server betreiben. Versionskontrolle zwischen Teams-Nutzern ist kaputt. Agent-Lifecycle-Management produziert kryptische SQL-Fehler. Wer auf Copilot Studio echte Multi-Agent-Systeme für den Unternehmenseinsatz bauen will, braucht Workarounds auf Workarounds.
Echte Spezialisierung heißt: dedizierte KI-Agenten für verschiedene Bereiche — einer, der deinen Kalender und deine Terminmuster versteht, ein anderer, der deinen E-Mail-Stil kennt, ein dritter, der auf Recherche und Dokumentenanalyse spezialisiert ist. Nicht dasselbe Generalisten-Modell mit verschiedenen Hüten.
3. Datenschutz-Theater
Microsoft hat seine EU Data Boundary im Februar 2025 fertiggestellt. Kundendaten im Ruhezustand bleiben innerhalb der EU. Klingt beruhigend — bis man die Details liest.
In-Country-Datenverarbeitung für Copilot — also dass deine Prompts und die KI-Antworten auf Servern in Deutschland verarbeitet werden — ist eine andere Geschichte. Die erste Welle (Ende 2025) umfasste Australien, Großbritannien, Indien und Japan. Deutschland wurde zusammen mit zehn weiteren Ländern auf 2026 verschoben. Heise berichtete darüber im November 2025: “Sovereign Data Processing” für M365 Copilot kommt frühestens Ende 2026.
Bis dahin reist jeder Prompt, den ein deutscher Mitarbeiter in Copilot eintippt, dorthin, wo Microsofts LLM-Infrastruktur gerade steht. Für Unternehmen, die der DSGVO unterliegen und strenge Compliance-Anforderungen haben, ist “Daten werden in der EU gespeichert, aber woanders verarbeitet” keine befriedigende Antwort. (Den vollständigen regulatorischen Überblick gibt es in unserem Artikel zu DSGVO und KI-Compliance.)
Der BfDI hat Ende 2025 eine Handreichung zu KI und Datenschutz veröffentlicht, die genau diesen Punkt adressiert: Datenschutz muss bei KI-Systemen von Anfang an mitgedacht werden — nicht erst nachträglich als Versprechen für nächstes Jahr. Für den deutschen Mittelstand, der sich ohnehin schon mit DSGVO-Compliance schwertut, ist ein KI-Tool, dessen Datenverarbeitung außerhalb Deutschlands stattfindet, ein unnötiges Risiko.
4. Der wahre Preis
Copilot Enterprise kostet 30 USD pro Nutzer und Monat — rund 28 EUR. Das kommt auf dein bestehendes Microsoft-365-Abo oben drauf. Für ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern sind das über 67.000 EUR pro Jahr — für ein Tool, bei dem laut Gartner die meisten Organisationen keinen messbaren ROI nachweisen können.
Im Listenpreis sind die Copilot-Studio-Credits nicht enthalten (200 USD pro 25.000 Credits), ebenso wenig vertikale SKUs für Sales und Service (50 USD pro Nutzer) oder der Change-Management-Aufwand, um die Leute dazu zu bringen, das Tool überhaupt zu nutzen. Ein Manager auf LinkedIn beschrieb den Rollout von 4.000 Copilot-Lizenzen für 1,4 Millionen Dollar pro Jahr. Drei Monate später hatten 47 Personen es geöffnet. Zwölf hatten es mehr als einmal benutzt.
Gerade für den deutschen Mittelstand — wo Budgets für Digitalisierung ohnehin knapp bemessen sind und jeder Euro dreimal umgedreht wird — ist das eine schwer zu rechtfertigende Investition. Plattformen wie meinGPT und Langdock positionieren sich bereits als Copilot-Alternativen speziell für deutsche Unternehmen, die Datensouveränität und Kosteneffizienz suchen.
Wie ein echter KI-Assistent aussieht
Das sind keine theoretischen Beschwerden. Sie weisen auf eine grundlegende Design-Frage hin: Was sollte ein KI-Assistent tatsächlich leisten?
Fang mit dem Gedächtnis an. Dein Assistent sollte dich über Sitzungen hinweg kennen — deine Rolle, deine Präferenzen, deine Projekte, deinen Kommunikationsstil. Nicht weil er dein SharePoint durchsucht hat, sondern weil er sich tatsächlich erinnert, gestern und letzten Monat mit dir gearbeitet zu haben. Wenn du sagst “aktualisier das München-Angebot”, sollte er wissen, welches Dokument gemeint ist — ohne dass du einen Link einfügen musst.
Dann Spezialisierung. Ein dedizierter E-Mail-Agent, der deine Kommunikationsmuster versteht, ist ein grundlegend anderes Werkzeug als ein Research-Agent, der Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenführt. Ein Modell, das verschiedene Hüte aufsetzt, ist nicht dasselbe wie zweckgebundene Spezialisten, die von einem Supervisor koordiniert werden.
Ein Assistent sollte auch proaktiv arbeiten. Er sollte dein Morgen-Briefing vorbereiten, deinen Posteingang vorsortieren, bevor du ihn öffnest, und die drei Dinge markieren, die heute wirklich deine Aufmerksamkeit brauchen. Copilot sitzt untätig da, bis es angesprochen wird. Das ist eine Suchmaschine mit Chat-Oberfläche.
Und wenn du ein deutsches Unternehmen bist: Datenresidenz heißt Datenresidenz. Nicht “EU Data Boundary mit Verarbeitung woanders”. Deine Prompts, deine Antworten, dein Gedächtnis — auf deutscher Infrastruktur. Nicht für nächstes Jahr versprochen. Jetzt verfügbar.
Die Entscheidung
Copilot ergibt in einem bestimmten Szenario Sinn: Du bist ein Großunternehmen, voll auf M365 ausgerichtet, mit einem Change-Management-Team für die Einführung, und deine Anforderungen gehen nicht über Zusammenfassungen und Entwürfe hinaus.
Außerhalb dieses Profils wird die Rechnung schwieriger. Wenn du persistentes Gedächtnis brauchst, spezialisierte Agenten, deutsche Datenverarbeitung heute — oder wenn du ein mittelständisches Unternehmen bist und siehst, wie 28 € pro Nutzer in ungenutzten Lizenzen verschwinden — dann bröckelt Copilots Wertversprechen.
| Copilot | amaiko | |
|---|---|---|
| Gedächtnis | Nur in der Sitzung, Reset bei jedem Chat | Persistent über alle Interaktionen |
| Architektur | Ein generisches Modell | Multi-Agent-Spezialisten |
| Datenresidenz | Deutschland-Verarbeitung: 2026 | Deutsches Hosting: jetzt |
| Preis | ~28 €/Nutzer/Monat + M365-Lizenz | 24,99 €/Nutzer/Monat, all-inclusive |
| Proaktives Arbeiten | Wartet auf Prompts | Morgen-Briefings, Posteingang-Triage |
| M365-Integration | Nativ (stärkster Vorteil) | Teams-nativ, tiefer M365-Zugriff |
Fazit
Copilot ist Microsofts Antwort auf die Frage “Wie packen wir KI in jedes M365-Abo?” Es ist ein solides Tool für Einmal-Aufgaben in Office-Apps. Es ist kein persistenter, intelligenter Assistent, der mit dir wächst.
Wenn dein Team mehr braucht als eine zustandslose Eingabemaske — wenn du eine KI brauchst, die sich erinnert, spezialisiert ist und handelt, bevor du fragst — dann lohnt sich ein genauer Blick auf die Alternativen. amaiko ist eine davon: Teams-nativ, persistentes Gedächtnis, Multi-Agent-Spezialisten, gehostet in Deutschland, 24,99 EUR pro Nutzer. Kein Gedächtnisverlust. Keine Workarounds.
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